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Revision einer Wanduhr in Wien: Vom Dachbodenfund zur zuverlässig laufenden Uhr

  • 1. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Apr.

Manche Uhren wirken auf den ersten Blick unscheinbar – doch ihr tatsächlicher Zustand zeigt sich oft erst bei genauerem Hinsehen.


Diese kleine Wiener Wandregulator hatte viele Jahre unbeachtet auf einem Dachboden verbracht, bevor sie schließlich den Weg in meine Werkstatt gefunden hat. Äußerlich vollständig – doch sie lief nicht mehr. Ein typischer Fall, bei dem sich der tatsächliche Zustand erst bei genauer Untersuchung zeigt.


Historische Wiener Pendeluhr mit geöffnetem Gehäuse im original Zustand vor der Revision
Ausgangszustand der Uhr vor der Revision

Erste Einschätzung


Schon bei der ersten Durchsicht zeigte sich: Das Werk war stark verschmutzt, die Darmsaite verschlissen, und die Uhr läuft gar nicht mehr – eine Revision war unumgänglich.


Neben den üblichen Verschleißspuren, wie sie bei einer Uhr dieses Alters zu erwarten sind, traten im Zuge der Zerlegung weitere Punkte zutage, die für den weiteren Verlauf entscheidend waren:


  • Zifferblattringe, Gewicht und Pendellinse zeigten deutliche Verfärbungen – vermutlich begünstigt durch die Lagerung am Dachboden mit starken Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen

  • Die Zeiger waren stellenweise korrodiert und die ursprüngliche Bläuung ungleichmäßig und weitgehend verloren

  • Zudem zeigte sich ein zunächst verborgener, aber gravierender Schaden im Räderwerk


Freigelegtes Uhrwerk einer historischen Pendeluhr nach dem Abnehmen der Platine, mit sichtbarem Räderwerk.
Werk nach dem Öffnen – erste Sicht auf das Räderwerk

Ein verborgener Schaden


Die Ursache dafür, dass die Uhr nicht mehr lief, zeigte sich am Antriebsrad...


Beschädigtes Zahnrad mit verbogenen Zähnen (104 Zähne) bei einer historischen Wiener Wanduhr vor der Revision
Zahnrad mit verbogenen Zähnen (104)

Alle Zähne waren verbogen. Ein Schaden, der vermutlich durch ein Versagen von Sperrklinke und Feder entstanden ist. In solchen Fällen kann es notwendig sein, den Zahnkranz vollständig zu ersetzen – eine aufwendige und kostenintensive Reparatur.


In diesem Fall ließ sich der Schaden jedoch mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl beheben: Jeder einzelne Zahn (insgesamt 104!) wurde schrittweise und vorsichtig in seine ursprüngliche Form zurückgeführt. Die Ursache – das fehlerhafte Zusammenspiel von Sperrklinke und Feder – wurde dabei selbstverständlich ebenfalls korrigiert.


Antriebsrad einer historischen Großuhr nach der Instandsetzung – zuvor verbogene Zähne wurden einzeln wieder ausgerichtet
Antriebsrad nach der Korrektur der Zähne

Anschließend wurde das Zusammenspiel alle Räder sorgfältig geprüft – mit positivem Ergebnis.


Aufarbeitung und Reinigung


Alle Zapfen wurden kontrolliert und druckpoliert. Nach der Instandsetzung folgte die Reinigung aller Bauteile:


Einzelteile eines historischen Uhrwerks vor der Reinigung im Ultraschallbad, sorgfältig im Reinigungskorb angeordnet
Vorbereitung der Reinigung im Ultraschallbad
  • Vorreinigung in Lösungsmittel

  • Nacharbeit von Hand

  • anschließende Reinigung im Ultraschallgerät


Gereinigte Einzelteile einer historischen Pendeluhr nach der Reinigung, übersichtlich für die weitere Bearbeitung vorbereitet
Gereinigte und vorbereitete Uhrwerksteile

Danach wurden die Lagerstellen überprüft und dort nachgearbeitet, wo es notwendig war. Alle Lager wurden zusätzlich mit Putzholz nachgereinigt, um sicherzugehen, dass die Reibungsflächen wirklich sauber und schmutzfrei sind. Auch die Radverbindungen wurden nochmals geprüft. Abschließend wurde das Zusammenspiel zwischen Anker und Hemmungsrad kontrolliert – ein entscheidender Bereich für den richtigen Gang der Uhr.


Individuelle Kundenwünsche


Neben der technischen Revision hatte der Kunde den Wunsch nach einer optischen Aufwertung:


Uhrzeiger einer historischen Großuhr vor dem Bläuen (geschliffen und poliert) und nach dem Neubläuen mit gleichmäßiger blauer Oberfläche
Zeiger vor und nach dem Neubläuen
  • Die Zeiger wurden abgeschliffen, poliert und neu gebläut. Die leicht verkürzte Spitze des Stundenzeigers wurde mit dem Kunden besprochen und auf Wunsch unverändert belassen.

  • Zifferblattreifen, Gewicht und Pendel wurden poliert


Diese Arbeiten gehören nicht automatisch zu jeder Revision, sondern werden individuell nach Kundenwunsch durchgeführt.


Zusammenbau und Einstellung


Nach der Reinigung und Überarbeitung wurde das Werk wieder montiert, geölt und in das Gehäuse eingesetzt. Auch die Darmsaite wurde erneuert und passend montiert.


Teilweise montiertes Uhrwerk einer historischen Wandpendeluhr während des Wiederzusammenbaus auf der Werkbank
Wiederzusammenbau des Uhrwerks

Anschließend wurde die Uhr exakt ausgerichtet und „in den Takt“ gebracht – also so eingestellt, dass ein gleichmäßiges Tick–Tack entsteht, das für einen ruhigen Lauf entscheidend ist.


Uhrmacher bei der Feineinstellung einer historischen Pendeluhr nach der Revision
Feineinstellung der Uhr im Gehäuse

Das Ergebnis der Wanduhr Revision in Wien


Historische Grossuhr nach der Revision, wieder montiert im Gehäuse und bereit für den zuverlässigen Betrieb
Fertig revidierte Pendeluhr im Gehäuse

Die Uhr läuft nun wieder ruhig und zuverlässig und zeigt eine stabile Ganggenauigkeit.


Wie bei jeder Wanduhr Revision in meiner Werkstatt nahe Wien folgt nun eine mehrtägige Testphase, um das Laufverhalten unter realen Bedingungen zu beobachten und gegebenenfalls fein nachzujustieren.


Fazit


Oft zeigt sich erst im Detail, wo die eigentlichen Probleme liegen – und welche Lösung sinnvoll ist.


Genau darin liegt die Herausforderung: nicht möglichst viel zu machen, sondern das Richtige.


Jede Uhr stellt dabei ihre eigenen Fragen. Und nicht jede verlangt nach der gleichen Antwort.


Wenn Sie eine Wanduhr oder eine andere Großuhr besitzen – ob mit oder ohne Schlagwerk – und unsicher sind, ob eine Revision sinnvoll ist, berate ich Sie gerne persönlich in Wien und Umgebung.

 
 
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