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Zifferblatt restaurieren lassen – was ist möglich?

  • vor 4 Tagen
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Das Zifferblatt ist das Gesicht einer Uhr. Es prägt ihren Charakter oft stärker als jedes andere Bauteil.


Entsprechend groß ist die Wirkung, wenn Ziffern verblassen, die Versilberung dunkel und fleckig wird oder Teile einer Emailoberfläche ausbrechen. Schnell stellt sich dann die Frage: Kann man das Zifferblatt restaurieren lassen – und ist das überhaupt sinnvoll?


Die Antwort hängt sehr davon ab, was vorhanden ist.


Nicht jedes alte Zifferblatt muss wieder makellos aussehen. Eine gleichmäßig gealterte Oberfläche kann durchaus zum Charakter einer historischen Uhr gehören. Andererseits gibt es Schäden, bei denen eine fachgerechte Aufarbeitung einen erheblichen Unterschied macht – und manchmal die ursprüngliche Gestaltung überhaupt erst wieder richtig sichtbar werden lässt.


Zwischen diesen beiden Möglichkeiten liegt eine ganze Reihe sinnvoller Abstufungen.


Barocke Uhr mit restauriertem versilbertem Zifferblatt

Zuerst die Frage: Was braucht das Zifferblatt wirklich?


Bevor über eine Restaurierung gesprochen wird, sollte zunächst geklärt werden, was tatsächlich stört oder beschädigt ist.


Ist das Zifferblatt lediglich verschmutzt? Ist eine alte Versilberung angelaufen? Fehlen Teile der Beschriftung? Gibt es Risse oder Ausbrüche? Oder wurde das Zifferblatt irgendwann bereits überarbeitet – vielleicht nicht besonders glücklich?


Auch das Material spielt eine entscheidende Rolle. Bei historischen Großuhren begegnen mir unter anderem Zifferblätter aus Messing oder versilbertem Messing, gebrannte Emailzifferblätter sowie bemalte Zifferblätter aus Metall, Holz oder Papier.


Was bei einem robusten Emailzifferblatt möglich ist, kann bei einer alten bemalten Oberfläche bereits erheblichen Schaden verursachen.


Besonders tückisch sind frühere Ausbesserungen. Eine Oberfläche kann auf den ersten Blick stabil erscheinen, während Teile der Beschriftung irgendwann mit einer Farbe ergänzt wurden, die sich bei einer Reinigung plötzlich löst.


Deshalb beginnt die Arbeit nicht mit dem Putzen, sondern mit dem genauen Hinschauen.


Manchmal reicht eine kleine Ausbesserung


Nicht jeder Schaden verlangt nach einer vollständigen Restaurierung.


Ein gutes Beispiel ist dieser Email-Zifferreif einer Wiener Vier-Viertel-Uhr aus dem 19. Jahrhundert. An mehreren Stellen waren Stücke der weißen Emailoberfläche ausgebrochen und das darunterliegende Metall lag frei.


Der Besitzer wollte das Erscheinungsbild verbessern, ohne den Aufwand einer vollständigen professionellen Restaurierung.


Die Fehlstellen wurden daher lediglich farblich angepasst und vorsichtig ausgebessert.


Email-Zifferreif einer historischen Wiener Uhr vor und nach einer Ausbesserung

Aus nächster Nähe ist diese Ausbesserung durchaus noch zu erkennen. Aus dem normalen Betrachtungsabstand fällt sie dagegen kaum noch auf.


Und genau das kann manchmal vollkommen ausreichen.


Nicht jede Ausbesserung muss unsichtbar sein. Entscheidend ist, welches Ergebnis gewünscht wird und welcher Aufwand für die betreffende Uhr angemessen ist.


Versilberte Zifferblätter


Versilberte Messingzifferblätter findet man bei vielen historischen Uhren. Mit den Jahrzehnten kann sich ihre Oberfläche stark verändern: Sie läuft an, wird fleckig, bekommt Kratzer oder verliert stellenweise ihre Versilberung.


Auch hier bedeutet „alt“ zunächst einmal nicht automatisch „restaurierungsbedürftig“.

Ist die Oberfläche jedoch so stark beeinträchtigt, dass das ursprüngliche Erscheinungsbild kaum noch erkennbar ist, kann eine vollständige Aufarbeitung sinnvoll sein.


Bei diesem Zifferblatt waren Ziffern und Minuterie als Vertiefungen im Messing ausgeführt. Die alte Versilberung war im Laufe der Zeit ungleichmäßig geworden und zeigte stellenweise Verfärbungen. Der Besitzer wünschte sich eine Aufarbeitung, um das Zifferblatt wieder näher an sein ursprüngliches Erscheinungsbild zu bringen.


Im Zuge der Restaurierung wurde die alte Oberfläche abgetragen und der charakteristische Radialschliff wiederhergestellt. Anschließend wurden die Vertiefungen der Ziffern und der Minuterie wieder schwarz ausgelegt.


Versilbertes Messingzifferblatt vor der Restaurierung und nach Wiederherstellung des Radialschliffs

An dieser Zwischenstufe lässt sich der Aufbau besonders gut erkennen: Die Versilberung fehlt noch, während Radialschliff, Ziffern und Minuterie bereits wieder deutlich hervortreten.

Erst anschließend wurde das Zifferblatt neu versilbert und die Oberfläche abschließend geschützt.


Restauriertes Messingzifferblatt nach Neuversilberung mit geschwärzten Ziffern und Minuterie

Im fertig montierten Zustand zeigt sich, wie stark das Zifferblatt die Wirkung der gesamten Uhr bestimmt. Trotz der deutlichen optischen Veränderung bleibt es dasselbe historische Bauteil: Konstruktion, Ziffernformen, Minuterie und die vorhandene Substanz wurden erhalten.


Es geht also nicht darum, ein neues Zifferblatt herzustellen, sondern das vorhandene wieder zur Geltung zu bringen.


Wie unterschiedlich das Ergebnis je nach Gestaltung und Ausführung eines Zifferblatts wirken kann, zeigt ein weiteres Beispiel.


Auch bei diesem barocken Zifferblatt zeigte die Versilberung altersbedingte Veränderungen und Spuren früherer Reinigungs- bzw. Polier­versuche. Stellenweise begann bereits das darunterliegende Messing sichtbar zu werden. Auch die beiden kleinen Hilfszifferblätter hatten an ihrer ursprünglichen Wirkung verloren.


Im Zuge der Restaurierung wurden sowohl der Zifferreif als auch die beiden Hilfszifferblätter aufgearbeitet. Dadurch treten Ziffern, Minuterie und die ursprüngliche Gestaltung wieder klarer hervor.


Barockes versilbertes Zifferblatt vor und nach der Restaurierung

Wenn Ziffern und Minuterie kaum noch vorhanden sind


Ein ganz anderes Problem zeigte dieses Emailzifferblatt.


Die Emailoberfläche selbst war noch weitgehend intakt. Neben einer kleinen Abplatzung unmittelbar am Aufzugsloch war vor allem die aufgebrachte Beschriftung betroffen: Sie war im Laufe der Zeit so stark abgerieben, dass von den römischen Ziffern und der Minuterie stellenweise nur noch Fragmente erhalten waren.


In einem solchen Fall kann eine Restaurierung durchaus sinnvoll sein: Nicht weil das Zifferblatt alt aussieht, sondern weil ein wesentlicher Teil seiner ursprünglichen Gestaltung verloren gegangen ist.


Historisches Emailzifferblatt mit stark abgeriebenen römischen Ziffern vor und nach der Restaurierung

Im Zuge der Restaurierung wurde auch die kleine Fehlstelle am Aufzugsloch ergänzt. Im fertigen Zustand ist die Reparatur praktisch nicht mehr zu erkennen.


Bei solchen Arbeiten kommt es auf Details an. Form und Stellung der Ziffern, Strichstärken, Abstände und Minuterie bestimmen den Charakter eines Zifferblatts.


Deshalb ist eine genaue Dokumentation vor Beginn der Arbeiten besonders wichtig. Gute, möglichst maßstabsgerechte Fotografien helfen dabei, die vorhandene Gestaltung festzuhalten und später möglichst genau wiederzugeben.


Was eine gute Restaurierung nicht tun sollte


Eine Restaurierung muss nicht zwangsläufig alle Spuren der vergangenen Jahrzehnte oder Jahrhunderte beseitigen.


Das zeigt sich besonders bei historischen Messingzifferblättern. Tiefere Korrosionsstellen beispielsweise ließen sich unter Umständen nur entfernen, indem entsprechend viel originales Material abgetragen wird. In solchen Fällen kann es sinnvoller sein, eine kleine Spur des Alters zu akzeptieren.


Je nach Zifferblatt und Schadensbild führe ich kleinere Arbeiten und bestimmte Reparatur- und Restaurierungsarbeiten selbst durch. Bei umfangreicheren oder besonders spezialisierten Arbeiten arbeite ich mit einem erfahrenen Zifferblattrestaurator zusammen.


Dazu können beispielsweise größere Arbeiten an Emailzifferblättern, die Rekonstruktion verlorener Beschriftungen oder aufwendige Arbeiten an versilberten Oberflächen gehören.

Das Ziel wird dabei vorher festgelegt: Was soll erhalten bleiben? Was soll verbessert werden? Und wie weit soll die Restaurierung überhaupt gehen?


Zifferblatt restaurieren lassen – oder lieber so lassen?


Diese Frage lässt sich nicht allein anhand des Alters einer Uhr beantworten.


Ein Zifferblatt mit einer schönen, gleichmäßig gewachsenen Patina würde ich nicht allein deshalb restaurieren, weil es nicht mehr wie neu aussieht. Bei einer stark beschädigten Oberfläche, einer kaum noch vorhandenen Beschriftung oder einer misslungenen früheren Überarbeitung kann die Entscheidung ganz anders ausfallen.


Dabei kommt es auch darauf an, welches Ergebnis der Besitzer wünscht. Manche möchten die Spuren des Alters möglichst vollständig bewahren. Andere wünschen sich, dass das Zifferblatt wieder näher an seinem ursprünglichen Erscheinungsbild liegt. Solange dies aus restauratorischer Sicht vertretbar ist, können beide Wege richtig sein.


Entscheidend ist, vorher zu wissen, was durch den Eingriff gewonnen wird – und was dabei möglicherweise verloren geht.


Eine gute Zifferblattrestaurierung muss deshalb nicht jede Spur des Alters beseitigen. Im besten Fall sorgt sie dafür, dass wir wieder das sehen können, was ursprünglich einmal beabsichtigt war, ohne die Geschichte der Uhr dabei auszulöschen.


Wenn Sie ein beschädigtes oder stark gealtertes Zifferblatt haben und wissen möchten, was damit noch möglich ist, schicken Sie mir gerne einige Fotos. Oft lässt sich bereits daran erkennen, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht und welche Möglichkeiten für Ihre Uhr sinnvoll wären.

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